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Was kommt nach Travian?

Was kommt nach Travian?

Im Sommer ist es endlich soweit. Die Travian Games GmbH wird mit Travianer ihr zweites Browserspiel veröffentlichen. Es ist das Rollenspiel zum Strategiespiel Travian. Womit niemand rechnet: Hinter diesem Namen steckt nicht nur der Ausbau des Travian-Universums, sondern auch eine Idee, die vollkommen neue Anforderungen an ein Browserspiel stellt. Ein Ausblick.

Früher gab es das nicht. Man hat dem Erscheinen eines Browserspiels nicht entgegengefiebert wie dem von Warcraft 3 oder einem neuen Kinofilm. Vielmehr hat man sich bei der Beta eines Browserspiels angemeldet, weil seine Freunde einen dazu überredet haben und das Spiel kostenlos war. Plötzlich veränderte sich etwas. Man sprach mit seinen Freunden nicht mehr über Mädchen sondern Schlachten, Allianzen und Plünderungen.

Ganz langsam wurde man in den Bann des Spiels gerissen. Mit der persönlichen Begeisterung ist meist auch dessen Spielerzahl rapide angestiegen. Accounts wurden bei eBay versteigert, das Spiel wurde zu einem Selbstläufer.

Erst in letzter Zeit erwartet man einige Browserspiele wie den neuesten James Bond Film. Auf „Techassault" hat man über ein Jahr lang gewartet, auf die Clientanwendung „Dark Orbit" wurde in einer PR Kampagne Heißhunger gemacht und jetzt erwartet man „Travianer".

Der Grund, warum es erwartet wird, liegt vor allem an seinem Vorgänger. Ein Spiel, das sich nach dem oben beschriebenen Muster langsam entwickelt hat. Denn Travian ist das Musterbeispiel eines erfolgreichen Browserspiels.

Der Mix aus „Die Stämme" und „Die Siedler von Catan" überflügelte mit seiner leichten Bedienbarkeit, individuell gestaltbaren Dörfern und nicht zuletzt seiner liebevoll gezeichneten Grafik bald die Konkurrenz. Bis dahin war es aber ein langer weg und das Spiel wurde immer weiter entwickelt.

Heute zählt Travian über 1.000.000 aktive Spieler und selbst in so exotischen Ländern wie Finnland oder Hongkong gibt es Server in der jeweiligen Landessprache. In der neusten Version fügte er Rollenspielelemente hinzu. Nun kann jeder Spieler einen Helden bauen und Oasen erobern.

In diesem Trend deutet sich an, was jetzt seine Vollendung findet: Das 2. Browserspiel von Travian Games ist ein Rollenspiel. Der Spieler wechselt die Perspektive. Er ist nicht länger der anonyme Manager seiner Dörfer, sondern ganz konkret ein Dorfbewohner oder eine Dorfbewohnerin. Nach alter Tradition entweder ein Gallier, Römer oder Germane. Mit seiner Spielfigur wandert er in einer Welt umher, die im bekannten Grafikstil gehalten ist. Doch wirkt die Grafik durch die eigene Bewegung in ihr und die noch liebevollere Ausgestaltung ungleich lebendiger. Dem Browser wird eine Optik entlockt, die eine Liga über allem steht, was ich bisher kannte und ohne Browserplugin für denkbar gehalten hätte.

Der Einstieg in Travianer ist denkbar leicht. Auf der Karte werden dem Spieler verschiedene Möglichkeiten der Rohstoffbeschaffung und Veredelung gegeben. So lässt sich aus der Lehmgrube ein Klumpen Lehm fördern, den man in einer Töpferei weiterverarbeiten kann. Die gefertigten Waren werden auf dem Markt verkauft.

Hat ein Spieler durch solche Arbeiten genügend Erfahrungspunkte und Silberstücke gesammelt, kann er Statuspunkte auf seine Kampf- und Berufsfähigkeiten verteilen, sich mit Gegenständen eindecken oder seine Kampfkünste trainieren. All das ist schon hundertfach aus anderen Spielen bekannt und Travianer reduziert sich hier auf das absolute Minimum. Übrigens nicht nur in der Komplexität, auch der Zeitaufwand für jeden Spieler wird durch die Einführung von Aktionspunkten stark reduziert.

Die große Idee dahinter wird dem Spieler erst mit der Zeit klar. Wenn er den ersten Mitspieler im Chat kennen gelernt hat, der ihn in sein selbst gestaltetes Haus einlädt, er den ersten Kampf gegen einen Mitspieler in der Arena bestreitet. Spätestens aber, wenn er einer Gilde beitritt.

Dadurch, dass der Spieler in der individuellen Charakterentwicklung nicht so gefordert wird, bleibt mehr Zeit für die Community. Travianer setzt folglich auf totale Kommunikation und Interaktion zwischen den Spielern. Sie können jederzeit gegeneinander in so genannte Minnispiele antreten. Rechts läuft der Chat während des Spiels automatisch mit. Es dürfen so genannte Clubs eröffnet werden, die es Menschen mit gleichen Interessen ermöglichen sich auszutauschen. Die Klassiker, ein Forum und ein Nachrichtensystem sind zusätzlich natürlich auch vorhanden.

Somit wird Travianer ein Spiel mit einer vollkommen neuen Ausrichtung. Die Community, die sich bisher als Nebenprodukt eines guten Spiels gebildet hat, rückt bei Travianer in den Mittelpunkt. Das funktioniert viel besser als ich es erwartet habe und findet im Zusammenschluss von Spielern in so genannten Gilden seine Vollendung. Gildenmitglieder können Rohstoffe ins Lager der Gilde einbringen. Davon werden dann Gebäude gebaut von denen alle profitieren. Außerdem entsendet jede Gilde bei einem Turnier Kämpfer, um dort eine Belohnung zu ergattern - vielleicht sogar ein Artefakt, das allen Gildenmitgliedern zwei Wochen lang nützt. Gleichzeitig kann man aber die Lager anderer Gilden ausplündern. Sogar Artefakte wechseln bei solchen Gildenkriegen den Besitzer. Schnell identifiziert sich ein Spieler nicht mehr nur mit seiner Spielfigur sondern vor allem mit seiner Gilde, zu deren Mitgliedern er ein enges Verhältnis aufbaut.

Die Bestrebungen ähnliche Mechanismen aufzubauen, gab es schon in anderen Rollenspielen im Browser. Aber stand in diesen Spielen zunächst einmal das ausgefeilte Wirtschaftssystem oder zumindest die eigene Spielfigur im Vordergrund und diese Features wurden im Nachhinein eingefügt und überforderten die Spieler. Bei Travianer wird dieses System funktionieren, weil alles darauf ausgelegt ist. Manchmal ist weniger mehr. Das gilt nicht nur für Travian und die Kulturpunktregel sondern wohl auch für Travianer, dessen Erscheinung vorraussichtlich für Juni diesen Jahres geplant ist.

Mit dem Bestreben die Community in den Mittelpunkt zu rücken, schwimmt Travianer jedenfalls gegen den allgemeinen Trend an, der dahin geht Singleplayer Spiele zu machen, die viele nebeneinander um einen Ranglistenplatz spielen. Diverse Managerspiele und „Dark Orbit" sind Beispiele hierfür.

Ob Travianer Erfolg hat, wird sich zeigen. Jedenfalls steht fest, dass die Eigendynamik der Community es einst war, die Browserspiele groß gemacht hat. Oder gehören Sie nicht zu den Leuten, die von Ihren Freunden überredet wurden, sich bei einem Browserspiel anzumelden?

Travianer verspricht in der jetzigen Version jedenfalls schon eine enorme spielerische Qualität. Ein Testbericht wird in einigen Wochen folgen.

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